Dienstag, 17. Oktober 2017

Tandems aus Meppen

Seit einiger Zeit startet Meppen wieder mal Tandems aus DFM09 und RS92-Sonden. Das hat für mich einen etwas emotionalen Hintergrund. Der Wetterballon, mit dem bei mir alles anfing, war ein eben solches Meppen-Tandem vor etwas mehr als einem Jahr. Und da ich damals Null Ahnung hatte, ging die SGP-Komponente verloren.

Am 17.7.2017 flogen gleich 3 solche Tandems im Rand meines Aktivitätsgebietes ein. Allerdings konnte ich nur eines bergen. Die Sonden landeten im Raum Bremervörde. Der HVV endet in Kutenholz, und genau diese Regionalbahn-Station war mein Ziel am Spätnachmittag. Der Drahtesel brachte mich zur Landestelle des Tandems 17051166 & M1613427 bei Fehrenbruch. Auf dem Landwirtschaftsweg passierte mich ein Auto, hielt exakt an der auf der Bremer Seite festgesetzten Position an. Die Insassen verloren keine Zeit, aus dem Fahrzeug zu springen und einen Weg raufzulaufen! Sondenjägerkonkurrenz? Zwei Traktoren standen ebenfalls an der Stelle, ich fragte die Arbeiter, die da was am Weg reparierten, ob die beiden nach dem Wetterballon fahndeten. "Nein, das sind Imker". Tatsächlich habe ich auch noch mit ihnen gesprochen.

Ich hielt eine Antenne in die Luft, und die DFM-Position war auf der gegenüberliegenden Seite des Fahrwegs. Das Maisfeld war glückicherweise abgeerntet, und so fiel ziemlich schnell der Fallschirm auf.





Eindrucksvoll wie immer die Meppenpappe. Die Begleitzettel jeder Sonde hatte beide aufgedruckte Seriennummern, wobei die andere jeweils handschriftlich getrichen worden war. Die Befestigung des Begleitzettels der SGP-Sonde war supersorgfältig vorgenommen worden. Ich kannte das bisher, dass der Zettel entweder an den Sondenboden mit Tape gebappt wurde (wodurch er nach der Landung naß wird und auch kaum unzerstört entnommen werden kann. Manche Bergener Startteam und eigentlich grundsätzlich alle in Meppen kleben die Nachricht an einen kleinen Umschlag aus Plastikfolie. Im vorliegenden Fall gab es was neues: Der Plastikumschag war offenkundig mit einem Folienschweißgerät verschlossen worden. WOW!

Ich fuhr dann noch zum 9Z-Gespann. Leider lag es nicht auf der Position der Bremer Prognose. Auch im weiteren Umfeld war nichts zu sehen. Ich habe dann auch hier meine Antenne in die Luft gehalten und zu meinem größten Erstaunen meldete sich noch die SGP. Zilog tat, aber leider hatte ich dank Internet-Funkloch keine allzu aktuellen Rinex-Daten. Nach erfolglosen Rumsuchen im undurchdringlichen Maisfeld verlegte ich mich auf Körperpeilung im Nahfeld. Die Sicht im Mais war zero, und außerdem verstumte die Sonde bei Frame 34000, so dass ich nur eine grobe Richtung hatte. Auch wurde es dunkel, und ich musste dringend weg und habe daher die Suche abgebrochen. Mit letzter Not habe ich dann die 15km nach Kutenholz zurückgehechelt und den letzten Zug noch erwischt. Im Zug habe ich dann gesehen, dass mit neuen Rinexdaten die Koordinaten ca. 40m tiefer im Maisfeld lagen.

Sonntag, 15. Oktober 2017

Sonde im Nebel

Ich hatte eigentlich am Tag vorher schon eher mit einer erreichbaren Landung aus Norderney gerechnet. Aber die Mittagssonde fiel ziemlich schnell vom Himmel. An dem Tag hätte ich eh nichts machen können, und somit hat mich das nicht sehr geärgert. Erstaunt war ich dann aber, dass ich nachts um 3:00 von einem piependen Handy vom Bremer Alarm geweckt wurde. Ein kurzer Blick auf Wetterson.de zeigte, dass die Nachtsonde N3330860 im Raum Buxtehude landen würde. Ihr Fallschirm hatte viel besser funktioniert als erwartet, und dadurch war sie viel weiter nach Osten geflogen.

Aber wie komm ich da hin? Der tiefere Sinn der Bahn ist derzeit die Förderung der Bauwirtschaft. Die S-Bahn nach Buxtehude ist von einem Schienenersatzverkehr unterbrochen (und ca. 5 Linien im Hamburger Raum, zum Teil wochenlang auch in der Woche). Es wurde deutlich, dass ich wohl den Metronom nach Cuxhaven nehmen musste. Überflüssig zu sagen, dass auch diese Strecke in einem Schienenersatzverkehr endet. Aber erst hinter Buxtehude.  Dort trudelte ich kurz vor 9:00 ein. Mit dem Rad ging es durch die neblige Landschaft nach Klein Nindorf. Noch dichter an der Landestelle lag der Bahnhof Apensen, aber dorthin wäre ein Zug erst in einer Stunde gefahren. Also fuhr ich ein paar Kilometer mehr, direkt von Buxtehude aus.

Auf den Feldern waren Bauern unterwegs. Man hörte die Trecker und sogar ihre Stimmen, aber man sah sie nicht. Es war extrem neblig. Im Nebel glaubte ich eine weiße Struktur zu erkennen. Bevor ich irgendwas anderes probierte, wurde kurz mal nachgeguckt: Das war tatsächlich der Fallschirm der Sonde.



Die Bergung war dann sehr einfach.Ich musste in keiner Weise meine Empfangsausrüstung auspacken. Einen Ballonrest gab es praktisch nicht:







i=Bremer Prediction, Kreise = Fundort



 





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Mittwoch, 11. Oktober 2017

Erfolg im dritten Anlauf

N0720273 war eine RS41-Radiosonde aus Schleswig. Sie flog um 0 Uhr UT am 7.10.2017, zwei Tage nach dem Sturm Xavier. Ich konnte die Sonde von meinem Balkon aus bis in eine Höhe von 260m über Grund verfolgen. Danach rechnete ich wie üblich eine Landevorhersage und kam auf ein freies Feld südlich von Bröthen. Die Gegend kenn ich ganz gut.

Vor fast 40 Jahren habe ich Vogelstimmen auf Tonband aufgenommen. Das Nervigste dabei ist Motorbrummen von Autos im Hintergrund. Wo gab es derartige Störgeräusche gar nicht? Genau! Am Ende der Welt, dort, wo der Westen auf den Osten stieß. Die Gegend um Bröthen kannte ich daher gut, auch hatte ich damals schon wenige Meter von der Landestelle entfernt gestanden.  Allerdings lag die Stelle wenige Meter jenseits des damaligen DDR-Metallgitterzauns, und wäre daher damals komplett unzugänglich gewesen. Im Gegensatz zu heute. Dachte ich...

Also guckte ich mir eine Verbindung nach Büchen heraus, um die Sonde noch sendend antreffen zu können. Sorgfalt war angebracht, denn der Orkan Xavier hatte ein paar Tage vorher diverse Bahnstrecken unterbrochen. Aber: Sowohl die Webseiten als auch die Apps von Bahn und HVV behaupteten, der Zug würde fahren. Also kaufte ich mir eine Ergänzungskarte und eine Fahrradkarte und stand um 6 Uhr morgens am Hauptbahnhof.

Am Gleis standen diverse Leute gestikulierend herum und klickerten auf ihren Handys. Einer hatte vom Reisezentrum ebenfalls erfahren: Züge nach Berlin fahren nicht, aber Rostock, Schwarzenbek, Büchen - kein Problem. Aber die große Anzeigetafel hatte andere Nachrichten. Es fahren keine Züge nach Büchen, und es gibt auch keinen Ersatzverkehr... Es würden auch heute und auch morgen keine Züge fahren.  Unverrichteter Dinge musste mich nach Hause begeben. Ich hätte den Samstag morgen lieber im Bett faulenzen sollen. Wie üblich versprühte ich meine Prediction an Andre und Jürgen.

Andre fragte mich am Sonntag, ob ich nicht mitkommen wolle. Er würde nach der Sonde gucken. Ich hatte aber keine Zeit, und daher fuhr er dann alleine an die Stelle am alten Zaun. Und meldete sich abends über Whatsapp: Er hatte sie nicht gefunden. Obwohl die Landestelle ihm übersichtlich erschien, konnte er sie nicht entdecken. Und da ich mit André in letzter Zeit oft unterwegs war, wusste ich, dass er ein sehr scharfes Auge hat und jegliche Fremdkörper auf einer Wiese aus großer Entfernung erpäht.

Am selben Tag im Radiosondenforum. Während Andre die Gegend am alten Grenzzaun untersuchte, war, gar nicht weit weg, die Schleswiger Mittagssonde am Schalsee gelandet. Ein gewisser Marco hatte versucht, sie zu finden. Er traf auf einen anderen Sondensucher, den Harry aus Ludwigslust. Leider konnten sie nichts erreichen, weil die Sonde 18m hoch im Baum hing. Das fand ich in sofern tröstlich, als dass ich zur selben Zeit eine Sonde in Heinste vergeblich versucht hatte, aus dem Baum zu bekommen - die war knapp 16m hoch im Baum. Ich fragte daher nach, ob der Harry sich vorher vielleicht die andere Sonde auch geschnappt haben könnte. Und Marco meinte, ihm wäre so, dass Harry erwähnt hätte, er hätte an dem Tag schon eine Sonde geborgen. Das wäre eine plausible Erklärung für Andrés vergebliche Suche gewesen. Allerdings stellte ein anderer Forumsteilnehmer (er heißt ebenfalls Harry), der Kontakt zu Harry hat, klar, dass das wohl ein Missverständnis war. Harry aus Ludwigslust hatte die Sonde nicht.

Langsam fragte ich mich, ob man N0720273 nicht vielleicht doch noch finden konnte. Vielleicht lag sie nicht auf dem Acker, sondern war etwas weiter geflogen und hing in den Bäumen? Also fuhr ich am 11.10. nachmittags hin. Von Büchen aus brachte mich der Drahtesel zur alten Grenze. Von dort aus ging es zu Fuß die paar Meter zur Landestelle. Und ich fand die Landestelle überhaupt nicht so übersichtlich wie André sie eingeschätzt hatte.

Es handelte sich um einen Möhrenacker. Die Hälfte war abgeerntet. Hier hätte N0720273 unbedingt auffallen müssen. Die vorhergesagte Landestelle lag aber auf dem noch nicht abgeerneteten Teil. Die Vegetation war recht flach, aber dicht. Ich kannte das inzwischen soweit, dass ich wusste, dass in sowas Sonden, Fallschirme und Schnüre komplett versinken können, und man sie erst sieht, wenn man unmittelbar davor steht. Mit dem Feldstecher vom Feldrand aus war nichts zu sehen. Aber dennoch vermutetete ich die Sonde auf dem nicht abgeernteten Teil und verwarf meine Idee von der Waldlandung.

So war es dann auch. Ich ging dann eine Treckerspur in den Acker hinein und stand dann unvermittelt vor einem riesigen Ballonrest und einem "originalverpackten" Fallschirm. Aus 20-30m Distanz war dieser massive Gegenstand nicht erkennbar



 
Von da aus musste man nur der Schnur folgen....


 um dann vor der Sonde zu stehen... (Landestelle in Google Maps)







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Montag, 2. Oktober 2017

Mal wieder in Elmenhorst...

Die Radiosonde N3050015 aus Norderney war die erste seit der Umstellung auf RS41, die in die Hamburger Gegend schwebte. Der Fallschirn funktionierte sehr gut. Ich konnte die Sonde bis in 272m Höhe durch eigenen Empfang verfolgen und dann eine Habhub-Prediction rechnen. Die sah die Sonde bei Elmenhorst auf einem Privatgrundstück. Es gab aber in der Landephase eine erkennbare Drift der vorhergesagten Landestelle nach Süden, die vor allem im Vergleich mit der Bremer Seite deutlich wurde. Ich rechnete daher fest damit, dass die Sonde weiter südlich lag, und zwar auf einem auf Google Earth erkennbaren Acker. Ich war mir da so sicher, dass ich diese Meinung sogar auf unserem Whatsapp-Verteiler kundtat.

Wie schon in den vergangegen Tagen haben Andre und ich die Sonde im Autostil eingesackt. Als wir ankamen, sahen wir beide sofort noch aus dem Auto heraus einen weißen Punkt auf dem umgepflügten Acker liegen. Mein Blick durch das Fernglas identifizierte das Teil leider als Plastiktüte. Dann ging ich aber ein wenig auf den Eingang des Ackers zu, und - voila - war der richtige Fallschirm mit allem Drum und Dran nett ausgebreitet zu sehen.


Der Rest war easy - wie André meinte ausgleichende Gerechtigkeit für die Wirrnisse der gestrigen Sondenjagd.












Die Position war exakt 120m südlich meiner Vorhersage. Die intelligente Weise, den gelben Label auf einer RS41 zu befestigen, ist nicht nur in Sasel, sondern auch in Norderney bekannt.



i=prediction, blauer Marker = Position der Sonde



Auf dem Rückweg kamen wir zufällig an der Landestelle der Radiosonde  M2034073 vorbei. Die war damals die erste RS92, die ich per Zilog gefunden hatte, und die erste, bei der ich eine GFK-Stange zur Bergung aus dem Baum eingesetzt hatte.

Die heutige Sondenbergung hatte vom Treffen in Hasselbrook bis zur Rückkehr in Hamburg knapp eineinahalb Stunden gedauert.

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Sonntag, 1. Oktober 2017

3 Sonden versucht, eine gefunden

Morgens am 1.10. fragte mich André Wulff per Whatsapp, ob ich nicht mitkommen wolle. Er wolle die Radiosonde M3956048 (Bergen 0Z) bei Holtorfsloh bergen. Ich machte ihn darauf aufmerksam, dass die Bergener 6Z-Sonde M3956050 ebenfalls in der Gegend landen würde und auch die kalte 18Z Sonde M3956041 bei Toppenstedt zu finden sein könnte. Beim S-Bahnhof Hasselbrook trafen wir uns, und ab ging es mit Andrés Auto zur 0Z-Sonde. Die sollte auf freiem Feld oder auf einem Knickwall liegen und aller Wahrscheinlichkeit nach noch senden.

Von der Bremer Predict-Position aus hatten wir keinen Empfang (war doch der Timer-Kill aktiv?). Weder auf dem Knickwall noch auf dem freien Feld war eine Sonde erkennbar. Hinter dem Knickwall war allerdings ein undurchdringliches Maisfeld. Jedenfalls konnten wir die Sonde nach längerer Suche nicht finden. Ob sie im Mais lag oder sie andere Abnehmer gefunden hat (laut Prediction sollte sie auffällig auf dem Feld liegen), konnte nicht ermittelt werden.

Die nächste Station unserer Tour war ein Wald bei Evendorf, die Landestelle der 6Z-Sonde. Hier hatten wir einen phantastischen Empfang; denn der Timerkill war nicht aktiviert. Zilog tat, und nach etwas Fahndung im Gestrüpp sahen wir den Faden von einer Fichte herabhängen. Die Sonde lag auf dem Boden, perfekt auf der Zilog-Position. Fallschirm und Ballonrest waren nicht aus dem Wipfel der Fichte zu befreien.







Unsere Suche an der Landestelle der 18Z-Sonde M3956041 bei Toppenstedt - ebenfalls im Wald, war leider erfolglos. Hier mussten wir uns natürlich rein auf die Prediction verlassen. Wir haben die Gegend gründlich abgesucht - nichts. 

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Freitag, 29. September 2017

Drei Sonden auf gleicher Frequenz

André Wulff machte mich per Whatsapp auf einen ungewöhnlichen Testflug aus Pinneberg aufmerksam. "Gerade schweben 3 Sonden aus Pinneberg ein. Ich kann erst ab 19:00. Wollen wir nachher los?"

Ich guckte auf die Bremer Seite. Tatsächlich: Die drei Sonden waren im Halbstundentakt gestartet, machten wegen Flaute kaum Strecke, und es war absehbar, dass sie in erreichbarer Nähe landen würden Ich selber hatte am Morgen erfolglos Sonden gejagt, saß jetzt auf Arbeit und konnte auch frühestens um 19:00 übehaupt los. Erstmal die 3 Sonden verfolgen. Bremen hatte derweil die erste Sonde vorzeitig verloren. Landung laut Vorhersage in einem Teich. Die zweite Sonde war auch schon auf dem Weg nach unten.

Ich hielt aus dem Institutsfenster eine Antenne, und konnte noch gerade verfolgen, wie die Sonde landete. Da die Sonden aber alle auf der gleichen Frequenz sendeten, blieb das Signal gleich stark, und Sondemonitor schaltete einfach auf die nächste Sonde um. Das Geräusch war jetzt weniger knarzig als vorher. Die Landung der zweiten Sonde konnte ich noch verfolgen.
Ich habe dann immer die Daten durch den Zilog-Decoder gejagt und  eine Habhub-Vorhersage gerechnet, und am Ende André zugemailt. Der hatte aber auch schon gemerkt, dass er wohl erst nach Dunkelheitsanbruch vor Ort sein würde, und lieber auf den Ausflug verzichtet. Ich selber war hundemüde und hatte auch keine rechte Meinung.

Aber nächsten Morgen ist André, der Urlaub hat, dann losgefahren. Sonde Nr. 3 (N1223474) war sein erstes Ziel. Sie war auf einem freien Feld südlich von Bargteheide gelandet, und es war eigentlich nur die Frage, wie hoch der Mais dort stehen würde. Und dann erhielt ich folgende Whatsapp:


Ich fragte zurück, ob er die Sonde Nr. 2, N1053062, auch versucht hätte. Die war mitten in Bargteheide niedergegangen. Er schrieb aber zurück, dass die wohl sicher nicht mehr dort liegen würde, und er fuhr zurück nach Hause. Das klang realistisch.

Am Abend guckte ich mir an, wie die Lage in Bargteheide auf Google Earth genau aussah. Die vorhergesagte Landstelle befand sich nicht weit vom Bahnhof, mitten im Ort. Aber mitten im Ort gab es Wiesen. Und auf einer lag die errechnete Landesstelle, aber leider ganz knapp am Rand der Wiese. Ein Knickwall mit hohen Bäumen grenzte das  Feld zu dem Sportplatz einer Schule und zu einem Schulgelände ab. Die Frage war: Wiese, Baum, Sportplatz oder Schule? Letzteres erschien unwahrscheinlich. Ich rechnete mit "Baum", da die Flugrichtung der Sonde genau durch den Knick führte. Andrés Pessimismus, die Sonde hätte bestimmt schon jemand entsorgt,  teilte ich nicht: Pinneberger Gespanne sind mangels Fallschirm nicht sehr auffällig, schon gar nicht im Baum. Die Frage war eher: Würde man rankommen?

Der Zug brachte mich schnell nach Bargteheide, und vom Bahnhof waren es keine 500m zu Fuß.

Die Wiese war frei zugänglich, dort wurde gerade ein Hund von seinen Besitzern bespaßt. Auf der Wiese selbst lag nichts. In den Bäumen auf den ersten Blick auch nichts. Vor dem Sportplatz war einmal ein Gestrüpp aus Brombeeren und Brennnesseln, dann ein wassergefüllter Graben, dann der Knickwall, dann ein Metallgitterzaun. Bevor ich erforschte, ob man vom Schulgelände aus eventuell auf den Sportplatz gelangen konnte, habe ich die Bäume mit dem Fernglas im Kometensucherstil systematisch abgesucht. Und irgendwann sah ich die Schnur.  Sie hing von einem Baum herunter. Hier sieht man die Sondenposition in Google Maps (es empfiehlt sich, auf Satellitenansicht umzuschalten). Am Ende lag die Landestelle nur 22m neben der Vorhersage.

Die Radiosonde lag auf dem Knickwall, und zwar auf der anderen Seite des Wassergrabens, aber vor dem Metallzaun.

Also wurde erstmal eine Schneise durch die Brennnesseln getrampelt und dann mittels GFK-Stange die Sonde herübergeangelt. Leider riss dabei die Schnur. Erstaunlich war aber: Die Batteriebox fehlte.

Ich scannte die Landestelle noch einmal ab, und am Ende sah ich sie wie ein Boot auf dem Graben schwimmen.

Wieder musste die GFK-Stange dienen, die Schale an "mein" Ufer zu befördern. Der Styroporeinsatz befand sich noch an Ort und Stelle in der Schale, das Lithiumbatterie-Paket blieb allerdings verschwunden. So einen Komplettzerleger habe ich bei einer SGP-Sonde noch nie erlebt. Ein Versuch, doch noch mit der Stange Schnur und Ballonrest zu bergen, war nur sehr bedingt erfolgreich, weil die Schnur wieder riss. Immerhin habe ich einen großen Teil der Schnur mitnehmen können.

Einiges bleibt unklar. Warum startet man 3 Sonden, die gleichzeitig fliegen und auf der gleichen Frequenz senden? Und die mühsam eroberte Batteriebox trägt einen Label, den ich auch noch nie gesehen habe:



Mysteriös, dieser Sondenflug.


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Sonntag, 24. September 2017

Manöversondenschwall

Seit wann wird die Freiheit der Bundesrepublik am Wochenende verteidigt? Ich dachte, dafür haben wir den Hindukusch? Entsprechend erstaunt war ich, als ich auf der Bremer Seite den typischen unentwirrbaren Schwall von Manöversonden sah.

Am Samstag Abend wollte ich zum Sternwarten-Workshop meines Astrovereins nach Handeloh. Ich wusste, dass André Wulff dort auch hinwollte, vorher aber noch eine kalte Radiosonde in der Nähe bergen wollte. Es brauchte nicht viel Überzeugungsarbeit: Statt einer kalten könnte man ganz in der Gegend eine Reihe heißer DFMs einsacken! Und er hatte bisher noch nie eine DFM gefunden.

Andre konnte aber erst um 15:00 los.  Also stellte ich mich an einer naheliegenden Bank mit Elbblick und freier Sicht nach Süden auf und verfolgte, was sich so tat. Wann immer eine Sonde landete, machte ich eine Habhub-Prediction. Allerdings war die Windgeschwindigkeit am Boden so minimal, dass sich deren Ergebnis nicht nennenswert von der letzten Position unterschied.

Es waren immer 2 Sonden in der Luft - eine im Aufstieg, eine im Abstieg. Sie sendeten immer auf  abwechselnden Frequenzen. Einmal kamen sie durcheinander, da war es die gleiche Frequenz. Das war etwas anstrengender, zumal sich die Richtungen von Hamburg aus nicht sehr stark unterschieden.

Um 15:00 holte mich André ab, und auf ging es nach Schneverdingen und von dort aus nach Volkensen. Da war die erste Radiosonde gelandet. Vor Ort ein starkes Signal. Die GPS-Position war rasch ermittelt - und auf ging es in den Mais-Urwald....Ein paar Meter vor der Position meinte André: "Da ist der Fallschirm". Der typische rote Ballon war auch nicht weit.

 Dem Faden folgend, war die Sonde auch nicht schwer zu finden:

Weiter ging es zur nächsten vorermittelten Position. Ich hatte gerade alles zusammengstöpselt und freute mich über den Empfang, da hatte André längst den roten Fallschirm auf freier Wiese entdeckt. Aber da waren ZWEI sehr starke Maxima auf dem Wasserfalldiagramm zu sehen. Es stellte sich heraus, dass der andere Sender eine weitere DFM war, die gerade landete, und zwar in 6km Entfernung bei Zeven. Ich konnte diese Sonde bis in geringe Höhe verfolgen, und wir beschlossen, sie nach dem Ausflug auf die Wiese gleich aus dem Baum zu holen.

Auf der Wiese bot sich folgendes Bild:



André Wulff an der Landestelle

 Nach dieser sehr einfachen Bergung ging es natürlich sofort nach Zeven. Die Landestelle war im Wald, aber dicht an der Straße, und es gab sogar auf der gegenüberliegenden Seite einen tollen Parkplatz! Also ab ins Gestrüpp. Der Nicht-Weg führte uns um einen bombenkraterartigen Teich herum. Es begann das übliche Versteckspiel "Findet die Sonde". Aber irgendwann sah ich unter einem Baum etwas glänzen - eindeutig der Sensor-Arm einer DFM.


Fallschirm und Ballonrest hingen leider hoch im Baum, und es gelang uns nicht, sie zu bergen. Die Schnur riss aber relativ weit oben, so dass wir zumindest eine Menge Schnur aus der Natur entfernt haben.

Wir fuhren dann noch an der Landstelle der Bergener 12Z-Sonde M3953462 vorbei. Leider erfolglos. Offenbar war M3953462, obwohl von der Bremer Seite nicht so ausgezeichnet, auch mit einem Timer-Kill versehen. Und so konnten wir vor Ort nichts empfangen, zumal die Nachfolgesonde schon in der Luft war und auf der gleichen Frequenz sendete. Wir haben an zwei infrage kommenden Landepositionen die Gegend  recht gründlich abgesucht, aber hier ist eine Maisfeldlandung sehr wahrscheinlich.

Auf dem Weg zu unserem Workshop in Handeloh kamen wir noch an der Position einer weiteren DFM09 direkt am Straßenrand vorbei. Da die schon am Vormittag gelandet war, haben wir einen Funkempfang nicht erst versucht. Die haben wir auch nicht gefunden, weil es schon dämmerte und wir  auch keine Zeit hatten für eine längere Suche. Auffällig in der Gegend rumliegen tat aber keine Sonde. Hier grenzten Maisfelder und abgeerntete Felder aneinander, und ich vermute, dass  auch diese Sonde wohl im Mais liegt.

Nachtrag 23.9.
Im Landegebiet war auch Jan und Matthias (Bremer Seite) am 23.9. aktiv. Sie fanden die Sonde 502661 in Frankenbostel. Offenbar waren sie außerdem während der Landung auf dem Parkplatz direkt an der Landestelle von 500199. Die haben wir also nur bergen können, weil sie sofort danach wegfahren mussten, da auch sie noch einen weiteren Termin hatten. Sie müssten eigentlich einen sehr interessanten Anblick gehabt haben, denn die Sonde flog direkt über ihre Köpfe, um dann in 80m entfernt im Wald zu verschwinden! 

Sonden-Nachlese am 25.9.
Ich hatte noch die zuletzt flüchtig inspizierte Landestelle bei Lauenbrück auf der Liste, und eine weitere bei Riepe, die wir am 23.9. nicht mehr geschafft hatten. Also ging es mit der Regionalbahn Metronom nach Lauenbrück, und alles weitere wurde wie üblich per Fahrrad erledigt. Vorher hatte ich mir noch einmal die Bahnen der Sonden bei der Landephase angegeguckt und war recht sicher, dass man beide noch finden müsste, selbst in einem Maisfeld.


Die Sonde bei Lauenbrück, an der wir auf der Fahrt am 23.9. schon vorbeigefahren waren, war das erste Ziel. Sie war diejenige, deren Empfang durch eine weitere mit gleicher Frequenz gestört war. Daher hatte ich die Sonde nur bis in eine Höhe von 482m verfolgen können. Bei der geringen Windgeschwindigkeit war das aber schon völlig ausreichend.  Wie vor zwei Tagen schon erkundet, grenzt hier  ein Maisfeld an einen abgeernteten Kartoffelacker. Die Prediction lag ganz deutlich nicht im Mais, sondern  auf dem Kartoffelacker. Mit dem Fernglas war - wie schon zwei Tage vorher, nichts zu erkennen. Also bin ich hingestiefelt, und am Ende fand ich 60m nördlich der Vorhersagespositon DFM Nr. 503030, Ballonrest und Fallschirm


 Beide Teile lagen in der Rinne, die der Kartoffelernter hinterlassen hatte. Daher war von der Straße aus mit dem Fernglas nichts zu sehen, obwohl die Straße erhöht lag.

Weiter ging es zur zweiten vorermittelten Radiosonde, die bei Riepe lag, etwas mehr als 5 Fahrradkilometer entfernt. Kurz vor dem Ziel bot eine Eisenbahnbrücke einen Blick von erhöhter Position. Erste Erleichterung: Abgeerntetes Feld und kein Mais! Zweite Erleichterung: Schon aus der Ferne lag exakt auf der vorhergesagten Stelle ein weißer Fleck und ein roter Klecks.




Die Sonde war in einem recht schlechten Zustand. Der Sensorarm war abgerissen und lag neben dem Fallschirm.

Hier eine Übersicht über die an diesem Wochende gefundenen Sonden:

Sondenkennung Flugdatum
Startzeit (UT) Landezeit (UT) Landeort
503037 23.9.2017
6:00 7:50 Riepe bei Lauenbrück
503030 23.9.2017
7:00 8:42 Lauenbrück
617925 23.9.2017
9:00 10:45 Volkensen bei Schneverdingen
502449 23.9.2017
10:00 11:45 Nindorf bei Schneverdingen
500199 23.9.2017
13:00 14:58 Zeven (Aspe)























Hinzu kommt die von Matthias geborgene 502661, eine um 12:00Z gestartete Sonde. Da die Starts offenbar im Stundentakt erfolgten, fehlen die 8:00Z und die 11:00Z Sonden - sofern es nicht am Morgen noch ein paar Starts gab,


















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Freitag, 22. September 2017

Nachwirkungen vom Wochenende

Am Wochenende flogen ja allerlei Bergener Sonden in mein weiteres Suchgebiet, fast alle  mit Timerkill. Nachdem ich etliche  eingesammelt hatte, fehlte noch die Nachtsonde vom 17.9., M1743181. Die Sonde hatte ich bis in 180 Meter Höhe durch eigenen Empfang verfolgt (da gehen dann noch 40m Geoidhöhe und 20m Terrainhöhe ab). Ich habe sofort mit Habhub eine Prediction gerechnet und wusste daher recht genau, wo die Sonde liegen müsste: Mal wieder in einem Wald, direkt am Dorfrand von Scharnebeck

Ich fand heraus, dass es eine Bushaltestelle (Scharnebeck, Lüneburger Straße) nur 450m entfernt war. Am Freitag Spätnachmittag fuhr ich mit Regionalzug und Bus hin. Der Wald war in der Landegegend relativ sumpfig. Ich habe zunächst das Landegebiet ohne Erfolg erfolglos abgesucht und dann von der erwarteten Landestelle aus mit dem Fernglas die Bäume inspiziert. Und da war sie, die Schnur, die von einem 40m entfernten Baum herunterhing.

Zunächst war es etwas schwierig, den Baum aus der Nähe zu indentifizieren, weil die Sicht nach oben durch Unterholz verdeckt war.  Aber dann sah ich das kleine weiße Kästchen direkt über mir hängen.

Ich konnte die Sonde mit der Mast/Haken/Schnur-Technik herunterholen, wobei leider die Schnur riss. Schirm und Ballonrest hängen also hoch oben im Wipfel fast 30m hoch fest.


Die seit der Einführung des Timerkills in den Foren angesagte Bundeswehr-Kremlpsychologie auf Basis der Begleitzettel konnte hier nicht fortgesetzt werden, weil der Begleitzettel fehlte.

Die Sonde war 42m von der Prediction entfernt.

Kreis: Sondenpositon, Pfeilspitze am i: Prediction


Meine Lehre aus dem Wochende: Mit eigenem Empfang in der Landephase aus dem näheren Umkreis kann man die Landeposition so genau lokalisieren, dass man die Sonde auch ohne Empfang vor Ort findet. Dann ist der Timerkill auch egal. Mit der Bremer Prediction geht es auch, aber dann kann das Suchgebiet auch etwas größer sein. Sendet die Sonde noch, muss man wissen, DASS ein Timerkill aktiv ist. Aus  100m kann man die Sonde dann empfangen und sehr gut durch Peilen lokalisieren.

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Montag, 18. September 2017

Noch ein Ballon...

M1743200, die Bergener Mittagssonde vom 17.9.2017, war bei Holfersloh südlich von Stelle niedergegangen. Eigentlich wollte ich gestern, wo ich ja in unmittelbarer Nähe unterwegs war, die Landephase durch eigenen Empfang mitschneiden und hätte daraus sicher eine sehr genaue Landestelle vorhersagen können. Aber wie schon beschrieben wurde ich während der Landung durch einen Gewitterschauer gründlich geduscht. So musste ich mit der Bremer Prognose Vorlieb nehmen. Auch musste ich den eigentlich geplanten Ausflug zur Landestelle aufschieben, denn weitere schwarze Wolken versprachen eine weitere Gewitterdusche, und ich war an dem Tag auch bereits nach 2 Radiosondenbergungen genug geradelt.

Dennoch wurmte mich das ein wenig, so dass ich bei der ersten Gelegenheit nach Stelle fuhr. Von dort aus brachte mich der Drahtesel zur Landestelle. Die Strecke kannte ich gut, denn tatsächlich lag die Landestelle von M1743200 nur 370 Meter östlich des Platzes, wo ich am 29.1.2017 M0730459, eine RS41 aus Sasel eingesammelt habe - ebenfalls auf Basis einer Bremer Vorhersage. Die Sonde lag damals auf dem Boden, der Fallschirm war im Baum, und zwar unmittelbar am Rand einer Lichtung. Dieses Mal verortete Bremen die Landestelle am Rande der Nachbarlichtung.

Damals genügte ein Blick auf die Bäume am Rand der Lichtung, um den Fallschirm zu sehen. Dieses Mal war es nicht ganz so einfach. Auf der Lichtung selber war nichts. Der Wald selbst war zwar locker bewachsen, hauptsächlich mit Fichten, aber es gab gerade um die Bremer Position herum ein dichtes, unübersichtliches und nervig zu durchstreifendes Unterholz. Dieses habe ich mehrfach ergebnislos durchquert. Ich war mehrfach drauf und dran, aufzugeben, entschloss mich dann aber, die Gegend südlich der Bremer Position noch einmal anzugucken. Dort war das Dickicht weniger undurchdringlich, aber da lag auch nichts. És ging aber ein Weg von der Lichtung in westlicher Richtung in den Wald zurück, und über den hoffte ich zurück zum Fahrrad zu gelangen. Ein Querweg führte auch in die korrekte Richtung. Von da aus konnte man relativ weit durch die Baumreihen der Fichtenplantage sehen, was ich auch immer wieder tat. Ich machte auch einen kleinen Ausflug in den Wald hinein. Nichts. Als ich aufgeben wollte und zurück zum Querweg strebte, lag plötzlich eine RS92 direkt vor mir. Sie war wesentlich kürzer gelandet als vorhergesagt.





Die Schnur ging senkrecht nach oben, über 2 Bäume, und in einem Wipfel einer Fichte konnte man den Schirm und Ballonrest erspähen...

Da ich ungern Schnüre und Ballonmüll in der Landschaft zurücklasse, begann ich immer rabiater an der Schnur zu zerren. Es gelang mir, die Schnur aus einem der Bäume auszuhaken. Es war erstaunlich, dass ich die Schnur bei meinen Bemühungen nicht zerriss, denn die Fichte wurde ganz schön durchgebogen. Irgendwann war der Schirm dann doch von der Fichte frei.



Die Schnur wurde gekappt und der Schirm segelte zu Boden.



Alles im allem eine gewaltsamere Wiederholung der gestrigen Baumbergung, aber mit umgekehrten Vorzeichen: Sonde lag am Boden und Schirm hing im Baum. Aber am Ende war alles gut: Schnur und Sonde waren im Rucksack, und es ging nach Hause. 

Gleich bei Kieselshöh sah ich plötzlich vom Rad aus links von der Straße im Wald einen verdächtigen, ovalen schneeweißen Gegenstand liegen. Ein ziemlich riesiger Pilz? Das musste inspiziert werden. Was wars: Ballonbergung Nr. 2

Das Teil stammte von einem  dieser Ballonwettflüge von einem Volksfest o.ä., gestartet von den Johannitern. Na, da muss die kleine Absenderin ja wohl Post bekommen. Und dieser Ballon hat den Flug auch besser überstanden als sein großer Kollege




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