Montag, 26. Juni 2017

und gleich noch eine Sonde aus Norderney

Auch die Mittagssonden aus Norderney flogen Richtung Hamburg. Es waren gleich zwei! M3013218 landete bei Stade auf einem Altländer Obsthof. Es kam aber zu einem Nachstart: M2643006. Diese RS92 SGPA schaffte es über die Elbe und ging bei Wedel nieder. Das war für mich viel besser erreichbar. Von der Bushaltestelle am Wedeler Krankenhaus führte ein Weg in die Marsch. Aus weiter Ferne war ein auffälliges weißes Objekt auf der gemähten Wiese erkennbar. Genaueres Hinsehen zeigte allerdings zwei weitere weiße Gegenstände. Alle drei waren aus meiner Sicht auch eher zu groß für einen Fallschirm. Je näher man kam, umso weniger sah das zuerst gesehene auffälligste Objekt "echt" aus. Leider hatte ich mein Fernglas zuhause vergessen. Da tiefe Gräben die Marsch durchziehen, macht es Sinn herauszukriegen, ob eines der Objekte der Schirm sein könnte - und wenn ja, welches. Eine Peilung aus 150m Entfernung mit der Yagiantenne wies eindeutig in die Richtung des "schönsten" weißen Objekts. Eine Dekodierung mit Zilog ergab eine spektakuläre Lösung (d=1.4, DOP=3.3, 7 Satelliten!) Kein Zweifel - in unmittelbarer Nähe des zu großen weißen Objekts lag M2643006. Und mehr musste ich nicht wissen. Alle Gerätschaften verschwanden im Rucksack und los ging es. Über ein paar Gatter geklettert und über ein paar Gräben gesprungen. Dann war ich vor Ort.








Es war der Fallschirm, aber aus der Ferne sah der recht große Ballonrest irgendwie atypisch aus. Mit einem Fernglas hätte ich weder peilen noch ziloggen brauchen, aber diese Aktion hat dafür so richtig Spaß gemacht.

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Norderney-SGPA in Prisdorf

M2643563 war die Mitternachts SGPA aus Norderney, die am Morgen des 26.6. in den Hamburger Raum einflog. Noch bevor die S-Bahn fuhr, brachte mich ein Vorortzug nach Prisdorf. Die Landestelle lag in Fußgehentfernung vom Bahnhof. Zilog ergab eine nicht besonders Vertrauen einflößende Lösung  (DOP=8.5, d=1.9, Höhe negativ). Die Positionen streute um den Rand eines Wäldchens herum, und zwar mehr auf der Waldseite.Das Gute war, dass ein Fußweg direkt zur Landestelle führte. Direkt dort befand sich eine hochgeradig praktische Bank, auf der man sein Equipment ausbreiten konnte. In den Bäumen war auf den ersten Blick nichts zu sehen, also vermutete ich die Sonde doch auf der angrenzenden Wiese. Eine schnelle Körperpeilung bestätigte diese Vermutung. Ein paar Schritte in die ermittelte Richtung auf die Wiese wurden mit diesem Anblick belohnt:








Die Sonde lag im hohen Gras:

Die Sonde war übrigens 18 bis 27m von den Zilog-Positionen entfernt.

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Sonntag, 18. Juni 2017

RS41 in Langeln

Am 17. und 18.6. flogen die Schleswiger Radiosonden in den Hamburger Raum. Die 12Z-Sonde M4540104 landete auf dem Airbus-Gelände in Finkenwerder, und ich konnte sie bis unmittelbar vor der Landung durch eigenen Empfang verfolgen. Weder am Planespotter-Site noch am Werkstor noch auf der gegenüberliegenden Elbseite konnte ich die Sonde nach der Landung empfangen. Ein  Airbusmitarbeiter aus meinem Freundeskreis (ich aber nicht) durfte sogar aufs Gelände, konnte aber von der Sonde keine Spur entdecken. Möglicherweise ist sie doch in die Elbe gefallen, obwohl alle Predictions sie auf dem Festland sahen.  Mir tat es etwas leid, dass der Freund wirklich alles gegeben hat, um die Sonde zu finden, und ihm dennoch kein Erfolg beschieden war.

Die folgende Mitternachtssonde M5120331 landete bei Langeln. Für mich war der Empfang im Landeanflug etwas ungünstig, da das Haus etwas störte. Immerhin hatte ich die Sonde bis ca. 420m Höhe noch erfasst. Damit konnte ich eine Prediction mit Habhub erstellen. Meine und die Bremer Prediction sahen die Sonde  auf demselben Acker.

Langeln lässt sich mit der Vorortbahn AKN erreichen. Die erste Bahn am Sonntag wäre aber erst um 8:22 morgens dort angekommen. Inzwischen ist die Vegetation auf den Feldern so hoch, dass es schon anzuraten ist, vor Verstummen der Sonde aufzuschlagen. So habe ich es vorgezogen, mit der AKN nach Ulzburg-Süd zu fahren. Von dort brachte mich eine Radtour von 10km zur Landestelle. Dadurch war ich mehr als eine Stunde früher an Ort und Stelle. Auf dem Weg konnte ich u.a. einen Feldschwirl hören.

Beim Auspacken der Antenne kamen ein paar Kühe von der Nachbarkoppel angelaufen und guckten sich das Spektakel mit großen Augen an. Kaum hatte ich Empfang, kam ein Kuckuck bis in nächste Nähe geflogen, offenbar reizte ihn das Piepen der RS41 aus meinem Notebook-Lautsprecher! Das, obwohl das RS41-Geräusch einem Kuckucksgesang nur sehr sehr entfernt ähnelt. Jedenfalls konnte ich die GPS-Position sichern. Sie lag auf dem erwarteten Maisfeld, und zwar zwischen meiner und der Bremer Prediction.

Zu sehen war wieder mal auch aus nächster Nähe nichts, aber mein Handy-GPS brachte mich zur Sondenposition. Die Sonde selbst sah ich erst aus nächster Nähe.



Die Schnur wies den Weg  zum großen Ballonrest und zum Fallschirm.


Der hatte sich zwar mit Luft gefüllt, aber verdrillt. Immerhin langte es, die Sonde auf 7m/s
abzubremsen.





Nach erfolgter Bergung brachte mich die erste AKN von Langeln nach Elmshorn, wo der Regionalzug nach Hamburg-Altona fuhr.


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Freitag, 9. Juni 2017

Originalverpackt, Baujahr 1978

Gerd, ein Teilnehmer des GvA-Anfängerworkshops mit Neigung zum Jagen und Sammeln, überreichte mir grinsend und ohne nähere Herkunftsangabe ein Schätzchen aus den 1970ern:

Da fällt mir nix mehr zu ein, außer mit Helium füllen und fliegen lassen (wird aber wohl nicht sinnvoll funktionieren)

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Mittwoch, 7. Juni 2017

Weiter gehts!

Nach der extrem intensiven Sondenjagd vom Vortag schlief ich erst einmal den Schlaf des Gerechten. Am Morgen guckte ich auf die Bremer Seite. Und was war passiert? Die Bergener Morgensonde L1623296 in Wedel aufgeschlagen. Das ist keine Übertreibung, denn die Sonde fiel wie ein Stein vom Himmel. Die Sonde hat nach dem Platzen kaum Strecke gemachtLetzte Geschwindigkeit waren 19m/s. Offenbar hatte Bremen auch keine richtige Prediction gerechnet. Aber sowas braucht man in dem Fall auch nicht, denn die Sonde dürfte nicht weit weg von der letzten Position niedergegangen sein. Kurzentschlossen nahm ich die S-Bahn und war gegen 6:00 in Wedel. Um 6:20 war ich vor Ort.

Die Auffindung war Routine: Der Empfang war laut und lärmig, und ich konnte die grobe Richtung peilen. Eine Parallelstraße führte in die richtige Richtung. Stärkerer Empfang! Und Zilog ergab jetzt Koordinaten mit sehr schönen d- und DOP-Werten. Auch nicht viel schlechter als bei der DFM gestern.

Die nominell besten Positionen lagen am Rand einer Baumschule. Vom Rand  der Plantage inspizierte ich das Gebüsch auf der anderen Seite. Und sofort fiel eine Schnur, die von einem der Bäume herunterhing auf. Aus der Nähe war dann deutlich, dass die Sonde am Boden lag:


In dem urwaldartigen Gestrüpp fand ich den Fallschirm und konnte das Gespann also komplett bergen. 

Was war die Ursache für die schnelle Landung? Offenbar ist bei diesem Flug alles mögliche nicht normal gelaufen. Die Schnur war nicht komplett abgewickelt. Kein Begleitbrief. Und anders als die meisten 0Z und 12Z-Sonden aus Bergen hatte diese Sonde den kleinen Fallschirm.

Und der hatte sich vollständig in seinen Leinen verknotet. Da auch kein Ballonrest dabei war, erklärt sich die schnelle Landung.


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Dienstag, 6. Juni 2017

Hamburg unter Dauerfeuer

Wegen des Manövers "Heiderfeuer" werden in diesen Tagen ständig DFM09-Radiosonden der typischen Manöversonden-Bauart (roter kleiner Ballon, kleiner roter Schirm, Ballon platzt in 15-17km Höhe) gestartet. Die Startorte lagen überwiegend im Raum Bergen. Heute war der Hamburger Raum unter DFM09-Dauerfeuer. Erst landeten die Sonden bei Glinde und Barsbüttel. Dann folgte die übliche Bergener Morgensonde in der gleichen Region*). Eine Sonde fiel auf Bramfeld, eine weitere auf Ohlsdorf. Diese beiden wurden erfolgreich geborgen. Dann prasselten die Sonden auf die Region Kayhude, Henstedt-Ulzburg usw. Den Schlusspunkt setzte die fahrplanmäßige Bergener 18Z-Sonde bei Glashütte.

Für den im Öffi/Fahrradstil arbeitenden Sondenjäger war vor allem lästig, dass diesmal die Sonden ein 40X40km großes Gebiet abdeckten, das sich unmotorisiert nicht schnell durchstreifen ließ. Daher konnte ich an diesem Tag nur 2 Sonden bergen - aber immerhin. .

Auf dem Balkon verfolgte ich zunächst eine DFM, die östlich von Barsbüttel niederging. Deren Landekoordinaten konnte ich recht genau ermitteln. Dann landete die Sonde 616700 bei Bramfeld. Auch deren Koordinaten konnte ich bis in Baumwipfelhöhe verfolgen und mit guter Genauigkeit mittels Habhub eine Landestelle berechnen. Die Sonde 431176 war in der Luft, als ich mich nach Bramfeld aufmachte.
Bramfeld ist sowas wie ein weißer Fleck des öffentlichen Nahverkehrs. Ein paar Busse fahren da hin, und alle Schienefahrzeuge machen einen Bogen um die Gegend. Das hält auf. Unangenehm war, dass es bei Erreichen der kleinen Seitenstraße keinerlei Empfang der DFM gab. Eine Dame nutze  gerade eifrig eine Heckenschere. Sie  sah mich mit Antenne und wachem Auge die Gegend inspizieren und sagte mir auf den Kopf zu, dass ich wohl einen Ballon suche (!). Den hätte ihr Bruder, der wohnt ein Haus weiter. "Klingeln Sie doch einfach mal da an!" Der Bruder war aber auch fleißig im Garten, und er brachte stolz die DFM herbei - und ließ sie mir! Er zeigte mir den Baum, in dem er sie gefunden hatte - der lag exakt auf meiner Prediction. Was soll man sagen.



Ich verabschiedete mich von dem interessierten Herren und peilte die Lage. Nach der Bremer Seite waren die aktuellen Sonden Richtung Kayhude unterwegs, und 431176 war unweit des S-Bahnhofs Kornweg niedergegangen. Da hinzukommen, ist aber leider von Bramfeld aus eine Stundenreise - obwohl die Luftlinie lachhaft ist. Busse, Verspätung, umsteigen, nochn Bus, und dann endlich eine S-Bahn ab Poppenbüttel. Vom S-Bahnhof Kornweg war eine weitere DFM auf der Frequenz aktiv. Nach deren Landung bei Kisdorf konnte ich das schwache Signal von 431176 empfangen. Nahe an der Bremer Landestelle war der Empfang prima, und die GPS-Koordinaten waren zu dekodieren. Die Sonde war 600m entfernt - das ist recht weit für die sonst relativ zuverlessigen Bremer Vorhersagen. Also nichts wie hin.

Vor Ort war von der Sonde nichts zu sehen. Die GPS-Position war direkt an der Häuserfront eines Mietshauses. Auf dem Balkon im Erdgeschoss eines Nachbarhauses verfolgte ein Ehepaar meine Aktivitäten, und ich erklärte ihnen den Grund. Der Mann kam gleich heraus und war sehr aktiv. Ich erklärte ihm, wie sowas genau aussieht, und dann machte ich mich auf den Weg zur anderen Seite des Blocks. Und da hing in einem Baum der rote Fallschirm und der rote Ballonrest.




Die Schnur verschwand auf dem Dach besagten Hauses. Zurück auf der anderen Seite hatte derweil der Mann die Sonde an der Hauswand gesichtet.





 Wenn ich mit meiner GFK-Stange  am Schirm zog, bewegte ich die Sonde nach oben. Aber eben nicht, wenn ich die Sache entspannte, nach unten. Der nette Helfer hatte inzwischen einen älteren Herren herbeigerufen, der einen Schlüssel für das Flachdach hatte. Zu dritt bargen wir die Sonde und wickelten die Schnur auf.






Eine abendliche Radtour zur Landestelle von 501022 bei Henstedt-Ulzburg war erfolglos. Allmählich sind die Felder so hoch bewachsen, dass man ohne sehr genaue Kenntnis der Landestelle nichts mehr findet. Einen Empfänger hatte ich gar nicht erst mitgenommen. Das war ein Fehler, denn gar nicht weit weg landete die Bergener Abendsonde. Noch der besser ermittelten Sonde 617897 einen Besuch abzustatten, war sinnlos, weil es allmählich dunkler wurde.

In jedem Fall danke ich den Helfern an den Landestellen, die die Bergung  von zwei Radiosonden ermöglichten.

*) Nachtrag am 7.6.2017:  Jürgen Wruck hat die SGP bei Kronshorst geborgen. Bei der DFM bei Barsbüttel hatte er keinen Empfang und auch kein Glück. Hat die vielleicht vorher jemand erbeutet?

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Donnerstag, 25. Mai 2017

Begegnung mit Sondenjäger

Am 25. und 26.5.2017 flogen die Schleswiger Sonden in Richtung Hamburg. Leider wählten sie in allen Fällen recht ungünstige Landeplätze aus, und alle Sonden flogen erheblich weiter als von Habhub vorhergesagt.

Die 0Z-Sonde vom 25.5.2017, N0220338  landete bei Klecken in einem stark bewaldeten Wohngebiet. Da ich kaum am frühen Morgen eines Feiertages (Himmelfahrt) dort anklopfen konnte und das Gelände extrem unübersichtlich wirkte, habe ich es mir verkniffen, dort hinzufahren. Außerdem musste ich an dem Tag  noch am Vormittag zur Arbeit.

Dorthin nahm ich aber meinen gesamten Sondenjägerkram und mein Fahrrad mit. Es galt, handlungsfähig zu sein. Denn die 12Z Sonde sollte laut Habhub in der unmittelbaren Nähe meines Arbeitsplatzes herunterkommen.

Nebenher konnte ich den Flug von N0110293 auf der Bremer Seite im Auge behalten und die Landephase aus einem Fenster mit bester Horizontsicht mit eigenem Empfang mitschneiden. Leider landete die Sonde nicht wie vorhergesehen im Jenischpark, 300m entfernt, sondern flog viiiel weiter bis in die Nordheide. Eine schnell gerechnete Habhub-Prediction zeigte die Landestelle bei Itzenbüttel auf einem waldigen Gelände nahe einer Kurklinik o.ä.. OK, Fahrrad und Sondenjägerequipment geschultert und mit dem Zug auf nach Klecken. Von dort aus ging es mit dem Rad zur Landestelle. Auf einer Bank am Rande des Klinikgeländes wurde das Geraffel ausgepackt. N0110293 sendete laut und deutlich, und die GPS-Position war in unmittelbarer Nähe. Der Fallschirm war auch bei Annäherung an die Sonde sofort  erkennbar.






Die Schnur konnte man über einen Waldweg bis zu einen Baumwipfel verfolgen. Weiter aber nicht. Auf dem Waldboden an der GPS-Position - nichts. In den Baumwipfeln - nichts. Also musste gepeilt werden. Diesmal habe ich ausprobiert, die Oberwelle auf der doppelten Frequenz zu erfassen. Die war ziemlich schwach, aber extrem eindeutig peilbar. Der Baum war rasch identifiziert, er stand noch etwas von dem Baum, in dem die Schnur verschwand, entfernt. Irgendwann hatte ich die Sonde senkrecht über mir. Aber sie blieb komplett unsichtbar. Auch ein Absuchen der Wipfel mit dem Fernglas war erfolglos. Offenbar hing die Sonde im höchsten Wipfel fest.

 Ich habe dann versucht, mit der GFK Stange den Schirm von dem ersten Baum über eine Astgabel zu ziehen, um die Schnur zu entlasten. Aber das führte nur dazu, dass die der Schirm abriss. Am anderen Ende war die Situation unverändert.

Also gab ich auf. Sachen packen, Rucksack schultern und los. Ich wollte gerade gehen, als es im Unterholz auf der anderen Seite raschelte - ein Mann mit Yagiantenne und seine nette weibliche Begleitung, beide mit Handempfängern,hielten direkt auf mich zu! Michael war mit dem Auto aus Hamburg angereist und wollte jetzt die Sonde im klassischen Peilverfahren erbeuten. Ich konnte ihm die ungünstige Lage schildern und dann mal zugucken, wie das Peilen mit einem Handempfänger so geht. Auch er musste im Nahfeld auf die doppelte Frequenz umschalten (wo sein Handempfänger sehr viel empfindlicher war als mein RTL-SDR), und am Ende identifizierte er den Baum neben "meinem" Baum als den Baum der Bäume.  Da die Kronen beider Bäume sich durchdringen, ist das als das gleiche Ergebnis zu betrachten. Die Sonden-GPS-Position war übrigens auch +-5m mit den Peilergebnissen kompatibel.

Bisher war es eigentlich immer so, dass bei Waldlandungen irgendein Teil des Gespanns erreichbar war und man dann weiterkam. Durch die neuerdings noch längeren 55m-Schnüre wurde es noch besser. Hier aber half nichts. Ich verabschiedete mich von den netten Kollegen und radelte nach Klecken zurück. Dort hatte ich noch etwas Zeit, um mir die Landestelle von N0220338 anzugucken. Aber das Gelände war so, wie ich es erwartet hatte. Große Einzelhausgrundstücke, extrem dichte und hohe Bäume, unübersichtlich. Viel versprochen hatte ich mir von der Nachsuche natürlich nicht, und am Ende musste ich in Klecken in die Pedale treten, um nicht noch eine Stunde auf dem Bahnhof zuzubringen.

Das Positive war der Klönsnack mit den netten Sondenjäger-Kollegen. Nach 62 Sonden wurde es auch mal dringend Zeit, dass so eine Begegnung "an der Sonde" stattfindet. 

Die folgende Mitternachtssonde flog auch sehr viel weiter als vorhergesagt. Die Bremer Seite zeigte sie bis 13m über Grund, und die Landestelle ist ganz offenkundig hochspannend: Eine Überlandleitung bei Scheeßel.

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Sonntag, 21. Mai 2017

Autobahnsperrung und die Folgen

Die Mitternachtssonde vom 21.5.2017 (L0533160) aus Bergen sollte laut Prognose mitten in Altona landen, weshalb ich auf der Lauer lag. Vom Balkon aus konnte ich die Landung bis in geringe Höhe (GPS-Höhe=147.9m, enstrechend 87m über Grund) verfolgen. Allerdings lag der Landeplatz im Raum Hasloh, also deutlich nördlicher als erwartet. Eine rasch gerechnete Habhub-Prediction ergab eine Position auf einem Feld direkt an der A7. Bremen hatte die Landeposition direkt am Fahrbahnrand. Ich hatte die Sonde aber viel tiefer erfasst und wusste sicher, dass sie auf dem Feld lag. Zu erreichen war die Landestelle entweder von der U-Bahn-Station Garstedt aus, oder von der AKN-Station Hasloh. Letztere ist vom Hamburger Westen bequemer zu erreichen. Nach Garstedt fuhren die Züge die ganze Nacht, aber das war eine elende Gurkerei. Also wartete ich, bis die AKN verkehrte und fuhr da hin. Die Batterie der SGPD sollte reichen. Das war ein Fehler, wie sich zeigen sollte.

Das mitgenommene Fahrrad sollte mich die knapp 4km zur Sonde bringen, über die Autobahnbrücke der Garstedter Straße. Wenige Meter vor der Brücke, gar nicht weit weg vom Ziel,  sah ich ein  "Durchfahrt-Verboten" Schild. Die Brücke dahinter war abgerissen.

Seit einiger Zeit toben auf der A7 großräumige Bauarbeiten, und an diesem Wochenende war die Autobahn sogar zeitweise voll oder richtungsweise gesperrt. Da werden auch mehrere Brücken abgerissen und wieder aufgebaut. Dass diese hier abgerissen worden war, hatte ich jetzt nicht erwartet. Google Maps schlug einen Umweg über die Autobahn vor - toll für den Radfahrer. Dem Autofahrer hätte der Tipp ebenfalls nichts genutzt, denn die A7 war gerade gesperrt...

Nachdem die anfängliche allgemeine Genervtheit überwunden war, stellte sich die Frage: Wie kommt man zur Sonde? Eine kurze Webrecherche ergab, dass auch die weiter nördlich gelegene Brücke an der Dorfstraße von Hasloh gesperrt war. Über einige weitere Brücken war nichts oder Widersprüchliches zu erfahren. Explizit offen waren nur relativ weit entfernte Brücken, und die hätten einen massiven Umweg erfordert.

Also zurück zum Bahnhof Hasloh. Jemand, den man fragen konnte, sah ich nicht. Mit der AKN konnte man im Prinzip relativ rasch über Ulzburg und Norderstedt nach Garstedt gelangen. Ich hatte keine Meinung dazu, auf Verdacht noch 3 weitere Brücken auszuprobieren. Nach einer halben Stunde Wartezeit kam die Bahn, und mit 2mal Umsteigen stand ich - sehr spät - am Bahnhof Garstedt.

Von da aus war es mit dem Rad jetzt endlich  ein Katzensprung bis zum Feldrand. Leider erwies sich der Acker als bereits recht hoch bewachsenes Roggenfeld. Auch war die Sonde inzwischen komplett verstummt, diese extreme Anreise hatte einfach zu viel Zeit gekostet. Mit dem Fernglas war so direkt nichts zu sehen, Sonde, Fallschirm und Schnur waren, wie zu erwarten, komplett im Roggen versunken.

Was blieb als letzte Chance? Blindes Vertrauen in die eigenen Daten vom Morgen und die  Prediction!  Rechner und Antenne wegpacken und zu der vorhergesagten Landestelle gehen. Durch ein paar Ackerfurchen ging es, durch GPS geleitet, zu der Stelle. Und kurz vor dem Ziel sah zu meiner Freude plötzlich aus ein paar Metern Entfernung ein verdächtiges Objekt.



 Das sieht verdammt nach einer verzwirbelten Schnur aus! Die Prognose hatte exakt gestimmt!









Auf der Garstedter Seite war die Verkehrsführung übrigens vorbildlich. Überall waren Schilder, die auf die zur übrig gebliebenen Brücken und die neue Verkehrsführung hinwiesen. Es kam noch besser: Eine Brücke war "gesperrt", aber bei einem Check vor Ort nicht für Radfahrer. Von dort hatte man auch einen tollen Blick auf die abgerissene Problembrücke.



 So ging es aber schnell zur AKN-Station Bönningstedt und damit nach Hause.



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Samstag, 20. Mai 2017

Zweitschlagkapazität!

K5024398 war die 6Z-Sonde aus Bergen am 19.7.2017. Diese Sonde habe ich einen Tag nach dem Flug im 2. Anlauf im Wald gefunden.

Ich hatte am Freitag nicht viel Zeit, daher bin ich unmittelbar nach der Bergung der Bergener Mitternachtssonde schon losgefahren, als die Sonde noch schwebte, es in Bremen aber schon eine Prediction gab. Also ging es mit der S-Bahn nach Neuwiedenthal, von dort aus zu Fuß weiter. Die Landeposition lag am Waldrand auf der Waldseite. Unter in einem Baum meinen Kram ausgepackt und losgelegt. Sofort Super Empfang, irres Signal. Ohne Antenne kein nennenswerter Signalverlust. Signal aufgezeichnet, durch Zilog gejagt: NIX. Nochmal: NIX. Peilversuche mit Körperpeilung zeigte die (wie sich später rausstellte) völlig richtige Richtung, und nach 30-40m kam das Signal von der anderen Seite. In der fraglichen Gegend die Bäume inspiziert, Fehlanzeige. Hilft eben nicht weiter, wenn man einfach Tomaten auf den Augen hat.

Auch musste ich die Hühner satteln, - ein Job-Termin rief. Also bin ich unverrichteter Dinge weggegangen.

Am Abend ließ mir der frustrierende Ausgang der Aktion keine Ruhe. Es gab nicht nur die 2 Sequenzen, die ich gleich im Wald analysiert hatte und die keine GPS-Daten enthielten. Vielmehr hatte ich bei den Peilversuchen natürlich eine WAV-Datei aufzeichnet. Zu der gab Zilog allerdings noch weniger als nichts raus - einen Ausgabefile von 0 byte Länge... Dabei hörte sich der Sound eigentlich ganz gut an.

Also habe ich einen Versuch mit Sondemonitor gestartet. Der konnte natürlich mit dem Kram auch GPS-technisch nichts anfangen, zeigte aber die Wetterdaten an und machte brav eine RAW-Datei. Und die konnte Zilog mit der rawin-Option dekodieren. Fast alle Frames waren wieder ohne Positionen, aber in den 9 Minuten gab es 33 Frames mit GPS-Koodinaten. Der DOP-Wert von 9.7 ist suboptimal, der d-Wert betrug immerhin 2.9 auf Basis von 4 Satelliten. Die Positionen streuten ein wenig doller als sonst, aber ich habe die Daten mal gemittelt, und am Ende erwies sich dieser Mittelwert als Volltreffer. Der Mittelwert lag auch sehr nahe an meiner Peil-"Lösung" vom Morgen.

Und Sondemonitor lieferte ja auch die Luftdruckdaten. Auf Kachelmannwetter die entsprechenden Daten rausgezottelt, rumgerechnet und erkannt: Diese Sonde hängt nicht wie erwartet hoch im Baum, sondern liegt auf dem Boden!! Dazu passte auch die Höhe der GPS-Lösung. Also musste ich am Samstag morgen nochmal HIN.

Naja, und an der entsprechenden Stelle hing der Schirm im Baum. Wieso ich das Freitag nicht gesehen habe, ist mir unklar. Es kann sein, dass der Schirm ursprünglich höher im Baum hing, denn in der Nacht hatten wir heftigste Gewitter mit Strurmböen, und die Schnur der Sonde sah ziemlich ramponiert und zerfasert aus.



 Die Schnur ging über mehrere Bäume, und die Sonde lag wie erwartet AUF DEM BODEN, allerdings zwischen Heidelbeergestrüpp.



Der schlechte GPS-Empfang hatte auch Gründe: Mein Handy-GPS hatte über dem Laubdach ebenfalls ein paar Probleme und mitunter eine schlechte Genauigkeit, wieso sollte ein Primitiv-GPS der Jahrtausendwende mit waagerecht auf dem Boden liegender Helixantenne damit besonders gut klarkommen.

Dann gab es noch die Bergung des Schirms mit einer 8m GFK-Stange, die einfach einen halben Meter zu kurz war. Ich versuchte erst, den Schirm über die Bäume zu ziehen, wodurch sie noch einen Meter höher geriet und dann die (zefasert ramponierte) Schnur riss. Ich war beim Einpacken, als ein Windstoß den Fallschirm bewegte und wieder nach unten gleiten ließ. Jetzt war der Schirm wieder FAST in Reichweite meiner Stange.


Aber eben nur fast. Am Ende wurde die Stange mit einem herumliegenden Ast, 2 Kabelbindern und ganz viel Tape verlängert

Mit diesem wilden Konstrukt konnte ich nach ein paar Fehlversuchen den Fallschirm erfassen und zu Boden bringen. Ich lasse ungern eine Schnur in der Natur.

 



Was kann man daraus lernen? Man sollte für Zilog nicht unbedingt nur WAV-Dateien probieren, sondern ruhig Sondemonitor mitlaufen lassen, damit man RAW-Dateien bekommt. Oder WAV-Dateien, die gar nicht gehen, abspielen und so in Sondemonitor feeden. Selbst bei tollem Empfang kann das besser funktionieren als eine WAV-Datei direkt in Zilog. Peilen führt auch zum Ergebnis , und man sollte Zeit mitbringen, damit man nicht einen im Baum hängenden Fallschirm übersieht. Auf der anderen Seite war ich froh über meine stressige Freitagsaktion, denn nur die gab die Daten für die erfolgreiche Samstagssuche.

Ansonsten: Die Sonde hatte, wie üblich bei 6Z und 18Z, einen kleinen Fallschirm und winzigen Ballonrest. Und der Zettel war von der sorgfältigen Schicht angebracht (mit Plastikumschlag).

Ich war anschließend noch bei der Landestelle der Bergener 18Z-Sonde vom Donnerstag. Da habe ich aber sofort aufgegeben, denn die Sonde lag bei Moorwerder in einer Gegend, in der viele Gemüsebauern eine recht intensive Form von Landwirtschaft betreiben. Zugang gab es nur über die Bauernhöfe, auf den Gemüsegärten wimmelte es nur so von Hilfskräften. Die Brachländer waren hoch bewachsen. Und meine Information war allein die Bremer Prediction, die an dem Abend auch nicht sehr genau gewesen sein dürfte. Wenn man nicht einmal weiß, auf dem Gelände welchen Hofes die Sonde niederging, ist auch Fragen nicht zielführend. Das Treiben der Lämmer auf dem Deich sorgte für eine kurzweilige Wartezeit auf den Bus *).

Liste aller Sondenfunde hier

*)  Jürgen Wruck hat die Sonde am 22.5. doch geborgen; sie lag erheblich weiter südlich als vermutet, und er konnte den roten Schirm von Süden, also vom Moorwerder Hauptdeich aus, im Gelände ausmachen.

Freitag, 19. Mai 2017

Sonde auf der Autobahnbaustelle

Am 18. und 19.5.2017 landeten die Bergener Sonden in meinem Hamburger Jagdgebiet. Wieder aufeinander folgende Nummern: K5024387, die 12Z Sonde, landete südlich von Stelle, nicht weit weg von der Landestelle von  M0730459 . Ich konnte das Signal bis in Baumwipfelhöhe verfolgen. Leider konnte ich die sehr genau lokalisierte Landestelle bisher nicht besuchen. Am Abend flog dann K5024388 und landete bei Heukenlock. Die Mitternachtssonde war K5024389. Ich stellte am frühen Morgen auf der Bremer Seite fest, dass sie in Eidelstedt heruntergekommen war, und zwar bei oder auf der A7. Also schnell mit der S-Bahn zur Elbgaustraße und von da per Bus zum Eidelstedter Platz. Der Rest war eine kurze Wanderung. Konnte beobachten, wie eine Kohlmeise zwei sich paarende Maikäfer plattmachte. Auf der Autobahnbrücke am Niendorfer Gehege hatte ich eine gute Übersicht über die Landegegend. Die linke Seite der Autobahn war eine einzige Baustelle.Und die Antenne und der Rechner brauchten gar nicht erst ausgepackt werden:  Denn auf einer halbfertigen Spur, auf er einige Baufahrzeuge standen, lag ein roter Fallschirm!

Die Auffahrt zur Baustelle - stand sperrangelweit offen. Typische Baustellenschilder a la "Eltern haften für ihre Sondenjäger"? Nichts derartiges. Also nichts wie rauf. War irgendwo ein Bauarbeiter, den man hätte um Erlaubnis fragen können? Nö! Der Straßenbelag auf der im Bau befindlichen Spur war... steinhart. Also wurde rasch gehandelt. Fotos machen, einsacken, fertig.







Die 6Z Sonde K5024398 landete nördlich von Neudwiedental - eine Waldlandung . Ich konnte die Sonde zwar vor Ort recht sicher  erpeilen, aber in den hohen Baumwipfeln nicht erkennen. Ich hatte aber vor Ort nicht viel Zeit, denn die Arbeit rief. Inzwischen gelang es mir mit Trick, die GPS-Position doch noch zu dekodieren, und das Ergebnis deckt sich weitgehend mit meinem Peilergebnis. Vielleicht muss ich noch mal hin und genauer suchen.

Liste aller Sondenfunde hier

Dienstag, 9. Mai 2017

Hochspannende Sondenbergung

Angesichts der Windlage war klar, dass heute noch mehr aus Richtung Schleswig eintreffen würde. Ich konnte die Landephase von  N0320215, der 12Z-Sonde aus Schleswig, mit einer auf Arbeit aus dem Fenster gehaltenen kleinen Selbstbau-Yagi bis 80m über Grund verfolgen. Eine schnell daraus gerechnete Habhub-Prognose erwies sich am Ende als fast perfekt. Sie sah die Landestelle auf einem Flachdach in SASEL. Die S-Bahn brachte mich nach Wellingsbüttel, und vom 500m entfernten Bahnhof hatte ich prima Empfang und somit die Koordinaten der Landestelle. Ein kleiner Spaziergang brachte mich zur Landestelle. Und je näher ich kam, umso sicherer war ich, dass die 100kV-Leiutung da vor mir ziemlich genau auf den GPS-Koordinaten der Sonde lag. Leider bestätigte sich diese Vermutung: Fallschirm und Ballonrest lagen auf dem Flachdach, die Schnur ging über die Leitung und die Sonde baumelte 20-30m über dem Grund.






Ich hielt es für weise, den Häuschenbesitzer auf die Lage aufmerksam zu machen. Weder er noch ich waren der Meinung, dass man die Schnur einfach durchschneiden sollte. Er rief dann mal die Feuerwehr an, die stellten auch die nötigen Connections zum Netzbetreiber her.

Im Endeffekt kam die Feuerwehr, ließ sich alles erklären.


Wo die Feuerwehr ist, sind auch sofort Reporter ("Ich bin freischaffend und werde diese Story verkaufen, an wen, weiß ich nicht"). Offenkundig hatte er den Funk der Feuerwehr abgehört.


Um es kurz zu machen, am Ende kamen die Leute vom Netzbetreiber. Die haben erstmal mit dem Fernglas herausgefunden, welche Leitungen betroffen sind - und nur die werden freigeschaltet. Die anderen führen noch Strom. Dadurch können Stromausfälle vermieden werden. Am Ende kletterte einer der Leute auf das Fachdach und kappte die Schnur. N0320215 fiel auf Nachbars Grundstück. 

Der rüstige Rentner hätte die Sonde gerne als Souvenir behalten, aber die Leute vom Stromversorger wollten das Ding als "Beweismittel" (vielleicht schreiben sie dem DWD eine Rechnung, wer weiß?), und auch für Ausbildungszwecke haben. So bleibt uns von dieser denkwürdigen Sonde nur ein Foto.

Meine Frage, wie viele Radiosonden sie schon geborgen hatten, wurde mit "etliche" beantwortet. Nur getoppt von Drachen, und seit neuestem Modellflugzeuge und Drohnen.

Liste aller Sondenfunde hier