Donnerstag, 3. August 2017

Meppen stellt auf RS92 um



Als ich mit dem Radiosondenhobby vor einem Jahr anfing, gab es praktisch nur die schon in die Jahre gekommenen RS92 der finnischen Firma Vaisala und gelegentlich mal eine DFM09 des Nürnberger Herstellers GRAW. Dann starteten in Sasel in kurzen Testphasen immer wieder mal das neue Modell RS41 der Finnen. Als kompletter Sondenneuling konnte ich gleich diese seltenen Vögel erbeuten, denn ich saß ja unweit der Quelle.  Im Jahr 2017 soll der Betrieb komplett auf RS41 umgestellt werden. Schleswig und Meppen haben bereits umgestellt, Norderney wird das im August tun, und nur Bergen fliegt noch RS92. Die Feld-Wald-und-Wiesen-Sonde RS92 wird so ganz langsam zur Rarität.

Am 3.8. würden die Meppener Sonden in mein Jagdgebiet einfliegen. Umso erstaunter war ich, dass sich beim Funkempfang das typische RS92-Geräusch einstellte: Offenbar hat Meppen wieder die alten Sonden am Start. Alle 3 Sonden an dem Tag waren RS92. 

Vor der Arbeit konnte ich noch kurz mit S-Bahn und Rad die Landestelle besuchen. Die hatte ich durch direkten Empfang und eine Habhub-Prediction ziemlich genau in Erfahrung gebracht. Leider reichte es vor Ort zeitlich nur für einen kurzen Zilog-Einsatz, eine Bergung musste auf später verschoben werden.  Der ergab aber eine hochqualitative Landeposition. Weiter ging es dann mit dem Rad zur Arbeit. Und danach gleich wieder zur Landestelle. 

Dort war es gar nicht einfach, den Besitzer der Baumschule in Erfahrung zu bringen. Eine andere Baumschulbesitzerin meinte, ihr gehöre das nicht, aber die „Betreten Verboten“ Schilder könne man aber wohl  problemlos ignorieren. Das war keine zielführende Auskunft. Als ich vor Ort war, löste sich das Problem von selbst. Denn der "Baumschuldirektor" höchtselbst kam gerade mit seinem Trecker angefahren, und war anfangs gar nicht so begeistert von meinem Ansinnen und mochte deutlich keine Fremden auf seinem Gelände. Als ich ihm die Sache aber genauer erklärt hat, stellte er die üblichen „W“-Fragen (wo?, wie groß?, warum?), die ich alle beantworten konnte. „OK, ich komme mit dem Trecker von der anderen Seite, wir sehen uns vor Ort“. Dort war die Bergung aber ohne schweres Gerät problemlos möglich. Ich konnte ihm den Fund erläutern und durfte damit glücklich abziehen. Freundlicher Mensch mit sinnvollen Ansichten.

Die Sonde war eine SGPD, und das Setup war Meppen-typisch, wie früher üblich. Die Meppenpappe sah aus wie früher, und der große rote Fallschirm auch., mittelgroßer Ballonrest.

Vielleicht wollen die Meppener einfach ihre Lagerbestände weiter abbauen, aber merkwürdig ist so ein „back to the roots Erlebnis“ schon.




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Montag, 31. Juli 2017

Zu hoch am Baum...

Am 31.7.2017 flogen die Meppener Sonden mal wieder in den Raum Hamburg. Erst landete am Morgen die Sonde N2240545 mitten in Barmbek - also mitten in der Großstadt. Dort wohnt der ebenfalls sondenbegeisterte André Wulff, nur 300m von der Landestelle entfernt. Ich war noch in der Bahn unterwegs von Herford nach Hamburg. Also kriegte André eine SMS: "Na, wie ist die Lage im Landegebiet?". André hatte die Sonde aber gar nicht auf dem Schirm. Wahrscheinlich hätte er den roten Schirm sonst im Landeanflug aus seinem Wohnungsfenster sehen können.  Er konnte die Sonde zwar empfangen, aber nicht dekodieren. Er hatte auch andere Termine. Seine kleine schnelle Exkursion und ein schneller Check vor Ort waren erfolglos.

Erst am frühen Nachmittag trudelte ich am Hamburger Hauptbahnhof ein. Eine schneller Abstecher  nach Barmbek mit der S-Bahn würde vielleicht noch die GPS-Koordinaten noch sichern helfen.  Das erste Mal, dass ich eine Rollenreisetasche auf Sondenjagd hinter mir herzog Aber vor Ort war da kein Signal mehr empfangbar. Ein Check der Gegend brachte das gleiche Ergebnis wie bei André.

Inzwischen war N2240516 aus Meppen bei Helmste, 6km von Horneburg entfernt, gelandet. So konnte ich mein Niedersachsen-Ticket gleich noch mal nutzen und mit der S-Bahn  nach Horneburg fahren. Von dort aus brachte mich der Drahtesel zur Landestelle. Diese lag laut Bremer Prognose dort, wo das Dorf, Feldmark und Wald aneinanderstoßen. Und die GPS-Sondenkoordinaten lagen natürlich im Wald.

An der Stelle war nichts zu erkennen. Also musste gepeilt werden - im absoluten Nahfeld bei der Oberwelle der doppelten Frequenz. Das Signal kam direkt von oben. Im fraglichen Baum war nichts zu erkennen. Etwas weiter weg konnte ich dann die Sonde baumeln sehen:

Leider unerreichbar mit meiner 8m-Stange. Und weil man direkt von unten nichts sieht, dürfte eine Bergung auch mit einer 15m-Stange schwierig sein.

 Ich brauchte eine ganze Weile, bis ich auch den Fallschirm entdeckte. Er hing 30-40m weiter in einem recht gut erreichbaren Baum, auch ca. 10m hoch.Die Hoffnung, dass man vielleicht irgendwo die Schnur greifen könnte, erfüllte sich leider ebenfalls nicht. Sie glänzte in der Sonne und verlief über mehrere weitere Bäume. Eindrucksvoll die Meppenpappe im neuen Stil, die seit der Umstellung auf RS41 jetzt in der Form des Verpackungskartons der Sonde daherkommt; ich hatte seit der Umstellung noch keine Meppener Sonde gesehen.




Also kommt die Sonde auf eine Liste, wo ich im Herbst mal nachgucken gehen werde.




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Samstag, 29. Juli 2017

Etwas mehr Konkurrenz

Am 29.7.2017 war ich bei Freunden in Herford. Die Essener Mittagssonde N1250463 landete im benachbarten Lemgo, im Ortsteil Brake. Meine Freunde waren heiß darauf, das Teil zu erbeuten, ich natürlich erst recht!

Die Bremer Prediction lag in der Wiembecker Straße, wo wir auch das Auto parkten.  Von dort aus hatte ich schönen Empfang. Die GPS-Koordinaten lagen keine 180m entfernt in der Residenzstraße. Ich war sehr sicher, dass dies meine erste Sonde vom Startort Essen werden würde. Wir sind dann über einen Friedhof gelaufen und durch eines der Tore direkt an der Sondenposition aufgetaucht. Dort war nichts zu sehen. Weder auf dem Parkstreifen noch in den Büschen rundherum war irgend etwas Verdächtiges erkennbar. Wir haben uns dann das benachbarte Grundstück einer Wohnanlage angeguckt. Da war auch nichts. Irgendwelchen Empfang gab es auch keinen mehr. Da war offenkundig jemand schneller. Etwas verdattert machten wir uns auf den Weg nach Hause.

Ich habe dann mal im Radiosondenforum nachgefragt. Und tatsächlich meldete sich Hinnack. "Ja, das war ich". Und die Position war auch gar nicht die Landestelle, die nämlich auf dem Friedhof lag. Hinnack hatte die Sonde offenbar sendend mitgenommen, dann seine Sachen im Auto verstaut. Erst danach hat er sie abgeschaltet. Es ist in Sondenjägerkreisen eben ein guter Brauch, am Ort des Geschehens zu verweilen, um Zu-Spät-Kommern wenigstens eine Chance auf eine nette Fachsimpelei zu erlauben. Naja, beinahe hätte das ja auch geklappt. Wir können uns nur um Minuten verpasst haben! "Dann hätten wir nett einen Kaffee zusammen getrunken", meint Hinnack.

Genau so muss das sehen! Vielleicht klappt das ja irgendwann mal.

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Sonntag, 23. Juli 2017

Im Wahljahr an den Kanzlershof


Der 23.7. war sondentechnisch nicht vorbei. Auch Mittags waren die Winde für einen Flug Bergen-Hamburg noch günstig. M3933581 fiel allerdings, nachdem der Ballon in 33km Höhe geplatzt war, wie ein Stein vom Himmel und ging bei Rönneburg nieder. Ich konnte die Landung bis in 171m Bodenhöhe von meinem Balkon verfolgen. Eine Prediction der Landestelle gab ein erstaunliches Ergebnis: Die Koordinaten entsprachen EXAKT, bis auf die letzte Stelle, dem Ergebnis der Bremer Vorhersage. Ich überlegte mir, ob ich überhaupt etwas anderes mitnehmen sollte als Gummistiefel und mein GPS-Handy. Um es kurz zu machen: Diese Minimalausrüstung hat es am Ende getan - den anderen Kram habe ich nicht aus dem Rucksack ausgepackt.

Mit Bahn und Bus ging es nach Rönneburg, und von da aus ging es weiter durch die Straße  KANZLERHOF. Sondensuche bei Hofe, und das im Wahljahr.  Gummistiefel brauchte ich, weil die Landestelle auf einer Marschwiese lag. Ich hatte Glück: Nur der Streifen, auf dem die Sonde lag, war vor ein paar Wochen gemäht worden!
Dennoch begann ich an der Richtigkeit der Prognose zu zweifeln. Mit dem Fernglas sah man auf der Wiese rein gar nichts. Ich war zu faul. mein Peilequipment auszupacken, sondern bin einfach rein nach Koordinaten zur vorhergesagten Stelle gegangen. Erst aus kurzer Entfernung sah ich ein Stück der Schnur durchs Gras schimmern. Noch etwas näher, und ich hatte diesen Anblick:









Der Fallschirm sah auf den ersten Blick ganz normal aus, und es war ein großer Schirm.



 Das erstaunte mich angesichts der enormen Aufschlaggeschwindigkeit sehr. Bei genauerem Hinsehen wurde deutlich, was los war:



Die Spitze des Schirms hatte sich mit Schnur, Ring und Ballonrest verheddert. Dadurch war der Schirm einfach umgestülpt worden und in dieser Stellung fixiert. Dass sowas nicht recht bremsen kann, ist logisch.

Am Folgetag konnte ich auch noch die Bergener 0Z-Sonde auf dem Kitagelände einsacken. Ein Bergen-Hattrick mit aufeinander folgenden Seriennummern!


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Neue Sportarten im Sporthotel

Am 23.5.2017 flog die Mitternachtssonde aus Bergen (M3933579) in den Hamburger Raum ein und landete in Rahlstedt. Ich fuhr in aller Frühe per S-Bahn und Zug nach Rahlstedt und legte die letzten 1500m zu Fuß zurück. Vor Ort prima Empfang und Dekodierung per Zilog. Die Landestelle war auf einem Außenspielgelände einer Kita. Alles war verrammelt und zu. Kein Rankommen. Von außen konnte ich auch nichts erkennnen. Da war erstmal nichts zu machen.

Einen kurzen, massiven Gewitterschauer saß ich in einem Bushäuschen aus. Von dort aus wollte ich den Heimweg antreten.Gelangweilt und etwas frustriert surfte ich die Bremer Seite an. Was war das? Die Bergener 6Z-Sonde M3933580 war unterwegs. Sie stand schon südlich von Hamburg und war im Landeanflug, noch 8000m hoch. Eine Prediction zeigte die zu erwartende Landeposition in Bramfeld. Das war keine 5km von mir entfernt! Ich machte mich sofort in die Richtung auf. Die Landeposition wanderte von Lauf zu Lauf immer mehr Richtung Tonndorf, also immer dichter an mich heran. Als M3933580 landete, war ich keine 3000m entfernt. Ich habe versucht, die Sonde zu sehen - Fernglas, freies Auge - hatte aber leider keinen Erfolg. Am Ende lag die Vorhersageposition AUF der Kreuzung Kuehnstraße/Jenfelder Allee in Tonndorf. Das hätte ich auch zu Fuß zurücklegen können.  In Wanderrichtung war eine Busstation. Es lebe die HVV-App. Wohin fahren hier die Busse? Nach TONNDORF! Wann kommt der nächste Bus? In EINER Minute. Also einfach einsteigen und hin! Von der Station Tonndorf waren es nur 400m bis zu besagter Kreuzung. Dort war aber nichts zu sehen.

 Empfang vor Ort war allerdings vorhanden. Zilog tat auch. Danach lag die Sonde am Rande eines großen Sportgeländes, 400m entfernt. Einige Minuten später konnte ich die Sonde von der Straße aus sehen, auf der anderen Seite eines hohen Zauns. Das Bild ist durch die Maschen aufgenommen:


Am Zaun hingen alle paar Meter Schilder, die auf das Sporthotel Hamburg hinwiesen


Stellte sich heraus, dass der Eingang direkt neben der Sonde war. Dort fand gerade irgendein DFB Fußballdings statt, weshalb der Parkplatz voll war. Die Fußballplätze waren aber leer (typisch DFB?). Also musste ich da rein und dringend mal neue Sportarten einführen - immer nur Kicken ist öde. Hatte kurz erwogen, mich bei der Hotelrezeption offiziell für die Qualifikation im Sportpeilen anzumelden, Hab den Gedanken dann aber instantan verworfen, weil ich bestimmt wegen erwiesener Anwendung unsportlicher Hilfsmittel wie des berüchtigten Zilog-Dopings umgehend disqualiziert worden wäre.  

Vom Hotelvorplatz konnte man einfach so auf den Platz spazieren und war somit bei der Sonde.
Die Sonde   "saß", wie schon geschildert,  auf dem Boden:

 der kleine rote Schirm war im Baum und fiel tatsächlich auf den Fußweg außerhalb des Sportplatzgeländes herunter, als ich die Sondenschnur kappte.




Alles einsacken und fertig.

So wurde die zunächst frustrierende Tour noch zum Erfolg.

Nachtrag 24.7.2017: Ich konnte Sonde M3933579 doch noch vom Kitagelände befreien:



Zusammen mit der am Nachmittag geborgenen M3922581 waren es 3 aufeiander folgende Bergen-Sonden mit fortlaufender Nummerierung!


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Sonntag, 16. Juli 2017

Zwei Sonden aus Schleswig

Am Wochenende des 15/16.7.2017 flogen zwei Schleswiger Sonden in den Bereich Hamburg ein. Die erste war M5130119, die Mittagssonde des 15.7. Sie landete in Neu-Wulmstorf. Die Endphase war recht chaotisch, und die Bremer Prediction sprang gewaltig hin und her. Per eigenem Empfang konnte ich die Sonde aber sehr tief verfolgen und wusste daher, dass sie entweder am südlichen Rand des Minigolfgeländes oder vor dem Freibad liegen müsste. Bahn und Bus brachten mich dort hin, aber der Schlager-Move war im vollen Gange, und das Leben konnte in vollen Zügen genossen werden. Vor dem Freibad dann rasch die Antenne angestöpselt und - nichts! Offenbar war die Sonde  nicht mehr da, kann man nix machen. Eine umfangreiche Suche in der Landegegend und weitere Empfangsversuche waren auch negativ. Shit.

M5130120 (16.7.17, 0Z) konnte ich gut im Flug empfangen, aber irgendwie hatte Bremen die Sonde noch tiefer - ungewöhnliche 192m tief. Ionosphäre lässt grüßen. Der Landplatz war am Rande des Schulgeländes der Grundschule in Ellerau oder in dem östlich davon gelegenen Wäldchen. Diesmal hatte ich Empfang. Der Platz war nach den GPS-Koordinaten im Wald, aber ganz dicht an der Grenze zum gut zugänglichen. Schulgelände. Auf dem Schulhof stand eine Bank und ein Tisch, was für einen weiteren Empfangs und Peilversuch einladend war. Aber vom Schulgelände aus war leider nichts im Wald zu entdecken. Der Zugang zum Wald war abgezäunt. Das Haus neben der Schule wurde von einem Amateurfunker bewohnt, der seinen Garten mit einem beeindruckenden Antennenpark ausgestattet hatte. Von der Straße aus war der Wald zugänglich, und Trampelpfade brachten mich zur Sondenposition. Aber wo ist die Sonde? Ich sah sie dann aus einiger Entfernung in ca. 15m Höhe am Stamm einer Eiche baumeln. Die Schnur ging aufwärts, und ich konnte auch einen Blick auf den Schirm erhaschen, der noch höher hing. Man muss wohl mit einer ganz langen Stange wiederkommen, und auch dazu muss man wohl abwarten, bis die Blätter fallen. Denn derzeit sieht man direkt von unten von der Sonde NICHTS.


Dann rief Andre Wulff an. Er war ebenfalls in Ellerau gewesen, aber schon nach Erlöschen der Sonde. Er hatte auch den Wald durchstöbert, aber  nichts gefunden. Ohne Empfang war die Sonde auch schwer zu entdecken. Er meinte aber - offenbar frustrationsresistent - dass er sich auf die Suche nach C4834112 machen würde. Ob ich Lust hätte, mitzukommen. Diese Sonde - Baujahr 2007- war von Pinneberg aus am 13.7. gestartet worden und war bei Warlitz in der Gegend von Hagenow in einem Wald gelandet. Ich hatte ja schon einmal eine solches antikes Schätzchen in der Fischbeker Heide gefunden. Der Wald machte in Google Earth einen lockeren Eindruck, teilweise Lichtungen, und bei der enormen Landegeschwindigkeit könnte die fallschirmlose Sonde auch dieses Mal wieder durchplumpsen. Allerdings endete die Bremer Aufzeichnung in 827m Höhe. Die Prediction machte aber einen sehr konsistenten Eindruck. Also nichts wie hin! Der Wald war voll von Mücken und Bremsen. Er war lockerer als damals in Fischbek. Wir haben dann den Wald auf den Kopf gestellt und sie nicht gefunden. Ich vermute ja, dass die Sonde in der eingezäunten und zugewucherten Lichtung, die wir nicht absuchen konnten, versteckt liegt.

Naja, in letzter Zeit habe ich viele Sonden geborgen, auch welche, die nur mit geringer Wahrscheinlichkeit gefunden werden konnten. Und irgendwann holen einen die Spielregeln der Statistik wieder ein.

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Mittwoch, 12. Juli 2017

Ein Jahr Sondenjagd - Bergener Sonde bei Schnakenbek

Fast genau ein Jahr nach meiner ersten Begegnung mit einer Radiosonde flog die Radiosonde M3926139, die Bergener Mitternachtssonde vom 11.7.2017. Die Sonde erreichte die große Höhe von über 37000m. Nach dem Platzen hatte sie praktisch keine Fallschirmwirkung, jedenfalls ging sie mit 19m/s im Bereich Schnakenbek nieder. Auf der Bremer Seite gab es keine sinnvolle Prediction. Dennoch konnte ich die Landestelle durch einfache Extrapolation auf einer Koppel, die auf Google Earth wie eine Wiese aussah, abschätzen. Angesichts der hohen Landegeschwindigkeit war diese Abschätzung sicherlich sehr genau.

Am 11.7. hatte ich keine Möglichkeit zu einem Ausflug zur Landestelle. Am Abend des 12.7. konnte ich mit S-Bahn und Bus zur Station Schnakenbek-Lärchenhain gelangen. Von hier aus waren es nur ca. 1.5km zu Fuß. Auf besagter Wiese lag zu meiner Enttäuschung kein roter Fallschirm, dafür aber ein weißes, etwa fußballgroßes, rundes Objekt etwa 60m von der erwarteten Position entfernt. Nähere Inspektion zeigte, dass es sich um einen völlig zerfaserten, sehr kompakten Ballonrest handelte, der den Schirm und den Abroller fast völlig umschloss:


umgedreht und aus der Nähe:

  

Die Radiosonde lag einige Meter weit daneben; die Programmierklappe war deutlich durch den unsanften Aufschlag lädiert. Einen Begleitzettel gab es nicht.



Am Ende bot meine Jahrestagsonde kein Peilabenteuer. Sie hat aber von allen 70 bisher gefundenen Sonden die größte Flughöhe und teilt sich den ersten Platz in der Rubrik Einschlaggeschwindigkeit mit L1623296, einer anderen mit kleinem Fallschirm gestarteten Bergener Mitternachtssonde.

Früher hatten alle Bergener Sonden große rote Schirme. Dann ging man dazu über, die niedrigen Flüge um 18 und 6 Uhr mit den kleinen Schirmen, wie sie vorher nur bei Manöversonden üblich waren, auszustatten. Jetzt verwendet man offenbar fast nur noch die kleinen Schirme - was bei großen Flughöhen mitunter nicht funktioniert. Vielleicht sind die großen Schirme einfach aufgebraucht, und es werden angesichts der bevorstehenden Umstellung auf die leichten RS41 keine großen Schirme mehr beschafft? Denn die RS41 ist ja genau so leicht wie eine Manöver-DFM.

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